DHD’s
ARBEITSHUNDE
aus
HOLLAND


 

 

 

 

Text: Kai Müller

Mit der Erkennung unseres Clubs sollte also eine neue Ära der Arbeitshundezucht und Selektion in Deutschland beginnen. Da Aufklärung immer noch sehr klein geschrieben wird, war es wohl mehr wie nötig eine solche Mobilisierung von “Andersdenkenden” ins Leben zu rufen.
Ebenso die Arbeit von und mit dem CGH, welche man nicht vergessen darf.
Mit unserer Philosophie die Art des Arbeitshundes zu erhalten gingen wir los neue Wege zu beschreiten. Obwohl der Weg immer noch sehr steinig ist, schafften wir es, gemeinsam, unser Ansehen und somit die Aufklärung über die Arterhaltung in Deutschland voran zu treiben. Mittlerweile sind verschiedenste Generationen unserer Arbeitshunde in Deutschland vertreten, mit großem Erfolg.
Mit unserer Philosophie der Zucht und deren Selektion, welche sich nur auf höchstem Niveau abspielt, konnten wir vorzügliche Arbeit leisten. In Bereichen der Gesundheit, Leistungsfähigkeit und genetischer Vielfalt wurden ebenso gute Erfolge erzielt.
Wie schon -zig mal anderen Orts beschrieben, ist das bei uns alles ein Kreislauf. Alles ist voneinander abhängig und muß miteinander harmonisieren. So kann ich keine Zucht ohne gute Selektion betreiben und ohne diese bekomme ich keine Tiere welche gut und gerne arbeiten können. Unsere Zuchttiere sind reine Mischlinge. Nur diese Tiere sind in der Lage den Genpool auf vielseitigste Art und Weise aufrecht zu erhalten und uns als Züchter die Gewißheit zu geben ein Defektgen nur sehr schwer hochkommen zu lassen. Zur Absicherung dieser ganzen Prozedur haben wir dann unser Ausbildungsprogramm in der KNPV, welches uns ermöglicht doch etwaige Defekte aufzudecken und das entsprechende Tier aus der Zucht auszuschließen.
So auch im folgenden Beispiel: Ich hatte meinen ersten in der KNPV geführten Rüden mit 18 Monaten bei einem Spezialisten komplett durchröntgen lassen, mit besten Ergebnissen. So ging ich also daran den Hund zur PH1 auszubilden. Nach zwei Jahren harter Arbeit und anschließender Körung gab ich den Rüden zur Polizei, mit dem Gedanken den Hund in den Dienst zu übergeben. Zwei Tage nach der Überprüfung rief mich der zuständige Beamte der Hundeschule an, und teilte mir mit, daß der Hund schlechte Ellenbogen und eine einseitig schlechte Hüfte hätte. Der Hund konnte also nicht in den Dienst übernommen werden. Als ich den Hund zurück hatte ließ ich ihn ebenfalls nochmals durchchecken, mit dem Ergebnis, daß wenn der Hund nicht so stark hätte arbeiten müssen, die Ellen und die Hüfte perfekt ausgesehen hätten und der Hund als “gesund” gezählt hätte. Ihr merkt schon auf was ich hinaus möchte. Erst durch unser Arbeitsprogramm stellte sich die schlechte genetische Veranlagung dieses Hundes heraus. Wir ließen daraufhin etliche andere bei uns arbeitende und alte Hunde untersuchen, mit dem Ergebnis, daß dieser Hund der Einzigste in unserem Kreis war, welcher dieser Arbeit nicht gerecht wurde. Alle anderen hatten vorzügliche Eigenschaften.
Bei mir stellte sich nun aber die Frage, wieviele über die IPO selektierten Arbeitshunde aus dem Kreis der Zucht fallen würden, wenn sie ebenfalls eine dem Gebrauchshund entsprechende Arbeit absolvieren müßten. Denn nach ihren Röntgenaufnahmen kann man sie nicht ehrlich genug beurteilen, da erst die tatsächliche Belastung die entsprechenden Defekte aufdecken kann.
Und es kommen ja noch etliche andere Aspekte, außer nur die Hüfte und die Ellen, der Selektion hinzu. Wie z.B. die Zähne.
- wenn bei uns ein Hund genetisch schlechte Zähne besitzt merken wir dies sehr schnell alleine nur über das Apportieren unserer stählernen Gegenstände. In der IPO gibt es nur das Bringholz, womit die Hunde zahntechnisch nicht selektiert werden können. Auch zahnärztlich ist es nicht zu definieren wie die Zähne nach echter Belastung wirklich aussehen würden und wieviele Hunde tatsächlich mit einem Scherbengebiß weiterleben müßten. Wenn ich schon jetzt bei so vielen deutschen Linien abgeschliffene und abgebrochene Zähne beobachten kann und dies bei den Minimalbelastungen dieser Arbeit, dann sollte man eigentlich schon Angst bekommen!!
- u.a., auch die natürliche Veranlagung, unangenehme Gegenstände apportieren zu wollen kann hier nicht geprüft werden.
Und eines muß man sich an dieser Stelle ins Gehirn brennen, vom Röntgen und den zahllosen teuren Untersuchungen kommen diese Defekte nicht. Nein, hier muß sich schon der Züchter den Schuh anziehen, weil er sich nun schon über Generationen mit Minimalstaufwand zufrieden gibt. -Lieber Geld beim Tierarzt lassen als ehrlich mit dem Tier zu arbeiten...



Das nächste Beispiel wären die natürlichen Triebveranlagungen. In einem so strikten Programm wie das der IPO ist es doch gar nicht möglich natürliche Eigenschaften, für die Zucht, zu sichten. Schon beim Suchen werden die Hunde in ein solches Schema gepreßt, daß natürliche Veranlagungen nie zum Vorschein kommen können/dürfen. Genauso wenig wie Intelligenz, Durchsetzungsvermögen, Selbständigkeit oder natürliches Technikverhalten, welche in allen Bereichen mit die wichtigsten Pfeiler der Selektion darstellen sollten.
Punkte können sich eben nicht vererben!!
Ich erwähne an dieser Stelle immer wieder unsere Revier- und Anzeigeübungen, welche vom Hund absolute Arbeitsfreude, Selbständigkeit, Technik und Gehorsam fordern. Alleine durch diese Übung kann man so viel über den Charakter eines Hundes erfahren, was man in der Zucht benötigen kann, oder auch nicht.

Und da gibt es noch etliche Beispiele mehr.
Nehmen wir den Belgischen Ring und sein Maulkorbstoßen am Gegenstand. Was hier vom Hund gefordert wird, wird sehr oft unterschätzt. Es fängt an mit glasklarem Gehorsam, welchen der Hund zeigen muß wenn er von den zwei Helfern provoziert wird den zu bewachenden Gegenstand vorzeitig zu verlassen. Dann das Wechselspiel der Helfer, hier muß der Hund Routine und Ausgeglichenheit zeigen um rechtzeitig zu erkennen, wann welcher Helfer den Gegenstand stehlen möchte. Dann der Angriff; hier kann man wunderschön erkennen mit wieviel Herz aber auch Härte der Hund seinen Gegenstand verteidigt. Und noch mehr, ich kann mir mit dieser Übung einen Teil der Selektion für die Gesundheit des Nackenbereiches im einzelnen Tier sichern. D. h. bei regelmäßigem Training, was im belgischen Ring nicht anders geht (bis zu 5 Mal die Woche), erfahre ich sehr schnell wann sich mein Hund anfängt zu schonen und beim Stoßen statt mit dem Korb mehr die Schultern zur Hilfe nimmt.
Dann die Belastung vor dem Angriff durch die mitgeführten Gegenstände des Helfers, alles Belastungen welche nur gut selektierte Hunde über lang mitmachen können.
Oder denken wir auch an die Vielseitigkeit im Mondioring. Welcher ebenfalls absolute Toparbeit von Hund und Hundeführer fordert. Wo ohne ausgeprägte Ausbildung und natürliche Triebanlagen des Hundes an ein Bestehen nur sehr schwer zu denken ist, wenn überhaupt.
Oder, nehmen wir mal die Hunde welche in Frankreich im Finale starten. Man stelle sich vor, daß diese Hunde bis zu diesem Tag zum Teil über 50 verschiedene Helfer gesehen haben. Welche Intelligenz, Härte und Arbeitsfreude hier mitgebracht werden muß, weiß jeder welcher diese Arbeit schon einmal gesehen hat.
Nur soviel zu den bei uns nicht im annähernsten geprüften Eigenschaften unserer Gebrauchshunderassen.

Doch nun zurück zu unserer Arbeit in der KNPV:


Klar, können wir das Programm der KNPV ebenso einem Hund anlernen, welcher nicht diese ausgeprägten natürlichen Eigenschaften besitzt wie ein Echter. Aber wir können anhand der Arbeit sehr schnell erkennen, welcher Hund echte Qualitäten besitzt und welcher gemacht werden muß, um auf einen gewissen Ausbildungsstand zu kommen. Und selbst dann ist die Durchfallquote immer noch sehr hoch, da das Zusammenspiel mit Gehorsam und natürlichen Triebanlagen absolut harmonisieren muß um konstante Arbeit vom Hund zu erhalten. 
Desweiteren muß man auch bei uns immer noch darin unterscheiden, daß es Hunde gibt, welche sehr gut auszubilden sind und sehr gute Arbeit leisten, aber wegen “Kleinigkeiten” einfach nichts in der Zucht verloren haben (Fortpflanzungsprobleme, schlechte Fresser, Immunkrankheiten, fehlende Härte usw.) Und man muß diese Hunde unterscheiden, welchen ich zwar alles beibringen muß aber auch alles beibringen kann! Diese Hunde haben zwar auch nichts in der Zucht verloren, können aber sehr wohl angemessene Arbeit leisten, Vorraussetzung ist hier nur der Arbeitsplatz. Oftmals soll dann aus einem Fachmann ein Allroundgenie werden. Das geht eben nicht.
Wenn ich mir nun nur diese kleinen Fakten zu Herzen nehme und mir Gedanken darüber mache, merke ich doch sehr schnell, daß in der Zuchtpolitik wie sie von unseren Zuchtverbänden vorgeschrieben wird, alles auf Minimalleistungen aufgebaut wurde und dem Hund und dessen Selektion überhaupt nichts gebracht hat.
Oder, seit wann richtet sich eine Selektion immer nach den Minimalleistungen die ein Lebewesen bringen kann???
Alleine aus diesem Grund muß ich mir als seriöser Züchter von gebrauchsfähigen Hunden Gedanken machen und erkennen wie stark die Natur Einfluß auf meine eigene Zucht nehmen darf. Ist es nicht oftmals so, daß natürliches Verhalten, sei es Trieb oder auch nur Farbunterschiede, sogleich diskutiert werden müssen??
Doch nicht mit uns.
Mit unserer Bastardzucht möchten wir andere Wege gehen und zeigen wie sehr die genetische Vielfalt und der dazugehörende Arbeitsplatz zusammenhängen.
Das Endprodukt ist somit nicht nur ein bestmöglichst gezüchteter und selektierter Hund, mit der Art der Selektion/Ausbildung können wir den Hund sogleich in den Dienst bei der Polizei übergeben.
Diese Philosophie ist so einfach und klar verständlich, daß eigentlich nichts entgegenzusetzen ist. Eigentlich...

 

Leider gibt es heute immer noch etliche “Sachverständige”, Besserwisser, Rassefanatiker, Funktionäre der etablierten Zuchtverbände und dergleichen, welche mit ihrem Wissen immer noch hinter dem Mond leben und nicht erkennen möchten, daß die Uhr für viele Rassen bereits 5 nach 12 geläutet haben.
Wie beschrieben alles lebt in einem Kreislauf. Bestes Beispiel sind die Zuchtgedanken der meisten deutschen Rassezüchter. Von Jahr zu Jahr wird die Selektion der Tiere nicht mehr ihrer Herkunft angepaßt, sondern dem vom Menschen aufgezwungenen Rassestandard. Mit dem Ergebnis, daß die Prüfungsordnungen der Arbeitsprüfungen im Schutzhundebereich unserer einheimischen Zuchtverbände so vereinfacht wurden, daß die Tiere nicht mehr auf genetische Veranlagung getestet werden können, sondern nur noch das Niveau des Ausbilders in Frage gestellt werden kann. Was zur Folge hat, daß durch die eh schon viel zu engen Zuchtverhältnisse der Tiere keinerlei Selektion mehr auf schwache und kranke Hunde besteht. Was dann natürlich auch nicht erkannt werden kann und somit ein “Verrecker” mit gutem Ausbilder doch ein Champion werden und von seinen Deckakten profitieren kann. Die Vermehrer, wovon es viele gibt, welche dann noch mit vorchristlichem Wissen meinen besondere Hunde mit Inzucht zu bekommen, rennen dann in Scharen dort zum Decken immer mit der Illusion auch einen solchen “Champion” zu bekommen...
Das Ganze wird dann noch in den jeweiligen Clubzeitschriften schön mit Farbildchen und tollen ZTP Berichten untermalt damit die Herren Züchter auch kein Problem mit dem Absatz haben. Und immer in dem Glauben nur das Beste für die Rasse zu tun. Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Es ist in kürzester Zeit abzusehen welchen Schaden diese Art von Einstellung angerichtet hat. Nur, wenn es dann zur Einsicht kommt wird es zu spät sein und die Schuld Anderen gegeben werden.
Ich denke es ist auch sehr schwer aus diesem alten Trott herauszukommen, da wirklich nur grundlegende Änderungen eine Besserung der Gesamtsituation versprechen kann. Dies fängt bei der strikten Auszucht an und hört in der Selektion auf. Es muß erkannt werden, daß mit diesen in Deutschland herrschenden Zuchtphilosophieen die Zuchttiere wie auf einer Insel leben und Blutaustausch unmöglich ist. Durch die ständig steigende Inzucht wird die Spannbreite der Gene nicht besser. Im Gegenteil immer mehr wichtige und vor allem natürliche Eigenschaften gehen verloren. Vitalitätsverlust sowie fehlende Intelligenz zeichnen sich bei vielen Tieren schon jetzt sehr stark ab. Die Zufriedenstellung der Züchter mit minimalster Ausbildung, also sprich Arbeit und Auslese in den Zuchttieren bedeutet gerade bei den Arbeitshunden den Tod. Wie kann ich Leistung erwarten wenn ich mit leeren Akkus arbeiten soll??
Jüngstes Beispiel:
Ich sehe wöchentlich wirklich etliche Gebrauchshunderassen auf dem IPO Platz, wo ich u.a. als Figurant arbeite. In meinen Anfangszeiten war es dann auch noch so, daß der Mali den DSH ablöste und seinen Siegeszug auch über die IPO einläutete. Auch auf den damaligen DMC Championaten konnte man noch viele gute Hunde dieser “Rasse” beobachten. Zieht man die Ahnentafeln der damaligen Hunde hinzu, konnte man sehr schnell erkennen, wieviele Hunde mit ausländischer, originaler, Abstammung dabei waren. So denn, die Zeit nahm ihren Lauf und die Welpenzahl in Deutschland stieg von ein paar auf ein paar Hundert im Jahr, bei gleichzeitigem Zuchtverbot von ausländischen Deckrüden und Entschärfung der damaligen ZtP zu Körung 1 bis (mittlerweile nur noch) Körung 2.
Der deutsche Züchter probierte immer mehr das “Beste”, nach seinem Wissen, aus den Hunden herauszuholen und erkannte nicht, daß er es tatsächlich schaffte das Beste herauszuholen...
Das Ende vom Lied ist nun, daß das Championat, nach meinem Geschmack, hauptsächlich als Zirkusveranstaltung zählt, bei der der Clown neben den paar übriggebliebenen, echten Hochleistungsartisten absolut im Mittelpunkt steht. Man darf dies nun nicht falsch verstehen, ich finde es super, daß auf einem Championat jeder die Möglichkeit hat seinen Hund vorzustellen, aber die Erkenntnis, daß immer mehr dieser Schauspieler am Start antreten ist Fakt und sollte einem als zuständiger Zuchtverein Gedanken machen. Der Gedanke den Hund und den Club populär, modisch (siehe nur die Diskussionen um das Logo) und jederman zugänglich zu machen, brachte den Tod für die einstigen Originale. - übrigens sehe ich auch im Bezug zur Körung keinen Unterschied.
Parallel muß man nun die Zuchtpolitik des Clubs betrachten, welche sich allein in der Zuchtwertschätzung des Exterieurs stark verändert hat. Mittlerweile zählt nicht nur Körung bestanden, sondern auch das Schauergebnis welches der Hund nun “ableisten” muß, um zumindest gut aus der Körung zu kommen. Auf gut deutsch: Aus einem Mischling wurde dank deutschem Einheitsgedanken ein Rassehund - und dies mittlerweile nicht nur äußerlich sondern auch innerlich!!
Wo früher Charakter, Gesundheit und genetische Vielfalt standen, traten nun ordnungsgemäße Ohren, schöne Farben, gleiche Größen und Gewicht und alle dazugehörenden Erbkrankheiten welche durch ihre Inzüchterei immer mehr zum Vorschein kommen. Bei gleichzeitigem Genverlust ist dann nur noch abzuwarten wie lange es bei dieser Rasse dauert, bis die deutschen Linien alle miteinander verwandt sind und wirklich nur noch genetische Krüppel mit kaputten Knochen, Immunschwächen, Allergieen und Schwachsinnigkeit herumlaufen.
 Nur soviel dazu, zu jedem Zuchtverein: Viele beschweren sich über die schlechten Verhältnisse in der Hundehaltung der asiatischen Länder. Daß dort die Hunde gar gegessen werden, wenn sie nicht mehr der Mode entsprechen.
Ich weiß nicht was schlimmer ist, das Tier zu essen, oder absichtlich eine Zuchtpolitik zu betreiben welche Inzucht/Linienzucht absolut toleriert und damit Hunde produziert, welche unter Erbkrankheiten zu leiden haben oder auch eingeschläfert werden müssen.
Und die Zahl der leidenden Tiere nimmt jährlich zu, nur weil unsere so hoch gepriesene Kynologie nicht im Stande ist ihr Gehirn einzuschalten.
So waren in den 20er Jahren (letzten Jahrhunderts) nur 6 Erbkrankheiten bei Hunden bekannt. Heute sind es um die 450. Natürlich ist dieses Ergebnis auch auf unser heutiges Wissen zurückzuführen, allerdings ist die fehlende Selektion, die fehlende Artenvielfalt und die damit zusammenhängende Überzüchtung der ausschlaggebende Grund.




Weg vom äußerlichen Standard.
Vitalität, Lebenswille, Härte (vor allem in Bezug auf die Gesundheit), sowie Intelligenz, Arbeitsbereitschaft und Liebe zur Arbeit sollten vor einem dicken Kopf oder eben der Beurteilung des vom Menschen vorgegebenen Exterieurs an sich stehen.
Man sollte sich als “Gebrauchshundezüchter” doch einmal ganz klar fragen, welche Art von Arbeit unsere Hunde früher leisten mußten und wie wir mit heutigem kynologischem Wissen dort wieder hin kommen können. Und dies fängt eben in der Art der Arbeit an. Es kann nicht sein, daß ich einem Hund in der Zucht den Vorrang lasse, welcher mit Ach und Krach über Jahre hinweg und mit gutem Ausbilder eine VPG 3 geschafft hat, gegenüber einem Hund welcher schon -zig mal im Franz. Ring 3 geführt wurde und sich dort beweisen mußte. Alleine darüber nachzudenken oder gar darüber zu diskutieren ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber unsere Zuchtverbände sind da anderer Meinung. Mit der Propaganda ihre Minimalausbildung im IPO Bereich würde zur Aufrechterhaltung einer Arbeitszucht reichen, haben sie die Rassen in den Tod getrieben. Mit den Zuchtsperren für ausländische und echt selektierte Hunde haben sie ihren Linien den Garaus gemacht. Durch Egoismus (Menschlichkeit), Faulheit und Engstirnigkeit wurden sämtliche Rassen “verkauft”. Und es ging noch weiter, um ihre Einnahmequelle Hund zu schützen unternahmen sie einen Streifzug gegen Mischlinge sowie gegen Andersdenkende. Mit falscher Aufklärung, Schürung von Angst und Gesetzen die der Hund nie brauchte, wurde systematisch nur zum eigenen Wohl gearbeitet. Leben und Leben lassen wurde hier noch nie erkannt, im Gegenteil, nach mir die Sinflut lautet hier das Motto.

 


Die Art des Hundes entspricht immer der Art der Arbeit sowie umgekehrt.
Was ganz klar die momentane Lage in Deutschland über die herkömmlich selektierten Hunde erklärt. Wenn ich bei einer ZTP oder Körung nur minimale oder gar erlernte Verhaltensweisen vom Hund abfordere, muß ich mich nicht wundern wenn in ein paar Generationen meine Zucht so degeneriert ist, daß außer Ausschuß nichts mehr zu Stande kommt.
Und dann noch der Gedanke mit der Inzucht. Was schon ganze Königshäuser zu Grunde gehen lies, soll nun in der Hundezucht weiterhelfen.
Sorry, wenn jemand weiß, und es ist allgemein bekannt und erwiesen, daß Inzucht Schwachsinnigkeit, Vitalitätsverlust, Fortpflanzungsprobleme, Erbkrankheiten usw. hervorruft, und trotzdem der Ansicht ist über diese Schiene eine Art zu erhalten, dann sollte ihm nach meiner Meinung die Lizenz der Zucht entzogen werden, da die Verantwortung gegenüber dem Tier nicht gegeben ist.
Die Verantwortung sich weiterzubilden und zu entwickeln darf im Bezug Tier nicht verloren gehen.
Doch, wie wären wir sonst in diese Lage gekommen wo wir gerade sind?? 
Wären schon vor Jahren die führenden Personen unserer Rassezuchtverbände ehrlich und offen gewesen und hätten schon vor Jahren unsere Züchter mitgezogen wäre es nie soweit gekommen. Mit diesen Worten wird in Zukunft das kaputt gezüchtete Gebrauchshundewesen erklärt werden. Wartet es ab...
Doch nicht mit uns.
Mit unserem neuen, alten, Weg der Zucht und Selektion möchten wir als Vorreiter einen Grundstock legen, auf den auch unsere Nachkommen zurückgreifen können. Das Kulturgut Gebrauchshund und dessen Ausbildung ist eines unserer Traditionen. In einer Zeit wo der Kulturverlust immer mehr durch Handy und TV ersetzt wird ist es sehr wichtig, daß zumindest ein paar wenige Enthusiasten diese alten Traditionen aufrecht erhalten möchten. Mit dem Ziel diese Art so zu erhalten wie sie wirklich war und mit allem was dazugehört geht es also nun in die nächste Instanz unseres Kreuzzuges für den Arterhalt des Arbeitshundes.
Das nächste Ziel wird sein, unsere Mischlinge und unsere Arbeit noch mehr in Deutschland zu etablieren. Mit gezielten Schulungen für Diensthunde, extra Praxistagen für Diensthundeführer, Erfahrungsaustausch mit anderen Nationen, anderen Züchtern und Ausbildern möchten wir als nächsten Schritt eine große, europaweite Familie bilden mit dem gleichen Gedanken, dem Drang zur Ehrlichkeit und dem Wunsch diesen Kulturzweig zu erhalten. Nur so ist es möglich den nötigen Zusammenhalt und die nötige Kraft gegen die etablierten Zuchtverbände zu entwickeln. Nur so wird es möglich sein unsere Tradition zu schützen. Und nur so wird es möglich sein Schwachsinnigkeit, Krankheit und Verblödung aus unseren hiesigen Schlägen herauszubekommen.
Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Dieser ist getan. Ein Ausbilder hat nun nicht mehr den Zwang einen Einheitshund aus dem Züchterregal zu kaufen. Er hat nun Auswahl. Über unserer Mischlinge hat er nun die Möglichkeit stets nach bestem Gewissen gezüchtete Hunde für seinen Arbeitsbereich zu bekommen. Schluß mit Papierreiterei, Angst vor etwaigen Erbkrankheiten und allem was man sonst noch kennt. Schluß mit großen Worten, mißratener Zuchtpolitik, welche nichts mehr mit dem Hund zu tun hat, und scheinheiligem Getue.
Mit dem Eintritt in unsere Clubs tragen alle für die Unterstützung unserer Philosophie bei und zeigen damit, daß es noch mehr Menschen gibt, welche anders über Arbeitshunde denken. Und wir werden immer mehr. Immer mehr die erkannt haben, daß wir unsere Arbeitshunde nicht mit Minimalaufwand schützen können und gerne etwas dagegen unternehmen möchten.
 

Text: Kai Müller

 

  

 

[Ausbildung] [Philosophie] [Aggressionsförderung] [K.N.P.V. früher und heute] [Einsatzbereiche] [Praxistraining-D] [Praxistraining-NL]